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Neue Paul Horn Halle offiziell eröffnet

Die Bauabschnitte Halle 10 und Eingang West der Messe Stuttgart termingerecht fertig gestellt / CMT 2018 erste Veranstaltung im Neubau

153 Meter lang, 95 Meter breit, in der Mitte knapp 17 Meter hoch und 14.600 Quadratmeter groß - so lauten die beeindruckenden Zahlen der neuen Paul Horn Halle, der zehnten Messehalle in Stuttgart. Das entspricht etwa zwei Fußballplätzen. Zahlen mit Wow-Effekt. „68 Meter breite Holzleimbinder überspannen das Mittelschiff der dreischiffigen Halle. Sie geben dem von viel Tageslicht ausgeleuchteten Bauwerk eine besondere Anmutung und Eleganz“, freut sich Kai Bierich, verantwortlicher Architekt und Geschäftsführer bei wulf architekten, den Planern der Halle. Ulrich Kromer, Geschäftsführer und Sprecher der Geschäftsführung der Messe Stuttgart, ist vor allem froh, dass „die gesamte Bauphase planmäßig durchgelaufen ist und wir sowohl den Termin als auch die Kosten eingehalten haben.“

Bis es soweit war, gab es allerhand zu tun, denn auch der Eingang West wurde umgebaut und deutlich vergrößert. Damit wurde die schon im ersten Wettbewerbsentwurf von 2000 skizzierte Symmetrie der Messe Stuttgart, deren Umsetzung damals zu hohe Kosten im Wege standen, in der zweiten Ausbaustufe realisiert. Die Kosten für die Erweiterung liegen bei rund 67,5 Millionen Euro. „Für die Gesellschafter stand nie in Frage, der Messeerweiterung grünes Licht zu geben. Die Messe Stuttgart hat sich seit ihrem Umzug auf die Fildern zu einem sehr erfolgreichen Unternehmen entwickelt. Entsprechend kann sie die Kosten aus eigenen Mitteln finanzieren. Zuschüsse von Stadt und Land hat es nicht gegeben“, stellt Michael Föll, Aufsichtsratsvorsitzender der Messe Stuttgart, klar.

An beiden Seiten des um 55 Meter verlängerten Rothaus-Parks stehen nun, harmonisch angeordnet auf einer Nord-und Südachse, jeweils fünf Messehallen. Zwei gleichwertige Eingangsbereiche, Ost und West, mit Kongressräumen und Restaurants, ermöglichen die ausgewogene Erschließung des Messegeländes von zwei Seiten. Der Vorteil: Besucherströme unterschiedlicher Veranstaltungen lassen sich so einfacher verteilen und lenken, die Wege werden kompakter und kürzer. 

Der neue Eingang West ist rund 65 Meter lang, 50 Meter breit und zehn Meter hoch – und bietet damit eine Fläche auf der zirka 1.500 Menschen Platz finden. Direkt im Anschluss befindet sich das neue „Restaurant im Westen“ mit rund 90 Sitzplätzen. Im ersten Stock wurden zusätzliche Konferenzräume eingebaut, die es ermöglichen, in unmittelbarer Hallennähe zu tagen. Die hohe Transparenz durch viel Glas gibt dem Eingangsbereich und dem neuen Restaurant eine luftige Anmutung. „Der natürliche Lichteintrag spart Energie, sorgt für emotionale Wellness und lässt Messemüdigkeit erst gar nicht aufkommen“, ist Bierich vom Konzept überzeugt.

Dasselbe gilt für den Neubau der Paul Horn Halle. Genau wie bei den bestehenden Messehallen spielt Transparenz eine große Rolle, die durch natürlichen Lichteintrag über seitliche Oberlichter erzielt wird. Sollte die Sonneneinstrahlung zu stark werden, oder eine Veranstaltung dies erforderlich machen, kann die Halle über ein spezielles Verschattungssystem komplett verdunkelt werden. Ebenfalls beibehalten wurde das System der Schicht-/Quelllüftung in Kombination mit Weitwurfdüsen, das sich bereits in den anderen Hallen bewährt hat. Ansonsten wurde der Ursprungsentwurf der Hallenarchitektur nicht einfach übernommen, sondern neu interpretiert. „Es wäre nach zehn Jahren nicht darstellbar gewesen, dass sich die Architektur in dieser Zeit nicht weiter entwickelt hat“, begründet Bierig diese Entscheidung. Das Dach bekam mit seiner geschwungenen Form in Holzbauweise ein ganz eigenes, neues, markantes Profil. Zudem ist die Paul Horn Halle die erste Messehalle in Stuttgart, die komplett mit energiesparenden LED-Lampen ausgestattet ist.

Die Holzkonstruktion des Daches stellte gleichzeitig die größte Herausforderung der dreischiffigen Halle dar. Die beiden Seitenschiffe und das Dach des Mittelschiffs werden von einer Stahlkonstruktion aus Gerberträgern und Stützen getragen, das Hauptdach selbst ist in Holzleimbinderbauweise konstruiert. Der Transport der 47 Holzleimbinder für das Mittelschiff des Neubaus gestaltete sich dabei höchst anspruchsvoll. Die 68 Meter langen Träger wurden – zerlegt in jeweils drei Teile – auf Tiefladern nachts zur Messe Stuttgart transportiert. Sie kamen aus Osnabrück und aus dem Osten der Republik. Lange Wege, die häufig nur mit Straßensperrungen überwunden werden konnten, mussten zurückgelegt werden. Letzter Kraftakt war die Montage und das fachgerechte Einhängen der Teile mit Schwerlastkränen.

Im Hallenboden laufen, wie bei den anderen Hallen auch, sogenannte Spartenkanäle, in denen sich die Trassen für Rohre und Kabel, für Strom, Druckluft, Wasser und Telekommunikation befinden. Unter der Decke wurden zirka 1.650 Strahler und Leuchten verbaut. Rund 11 Kilometer Leitungen waren allein für die technische Gebäudeausstattung nötig. Acht Raumluftgeräte in den Lüftungszentralen konditionieren das Hallenklima und heizen oder kühlen insgesamt rund 360.000 Kubikmeter Luft. Für die Mittelspannungsversorgung zur Verteilung der elektrischen Energie ins eigentliche Stromnetz wurden 16 Kilometer Hauptkabel verlegt. Der Bedarf an Kabel für die elektrischen Installationen mit 220 Volt beläuft sich auf 170 Kilometer. Für Schwachstrom, Brandmeldeeinrichtungen und Steuerungen kamen noch einmal rund 52 Kilometer Kabel hinzu.

Die Bauzeit dauerte insgesamt etwas mehr als zwei Jahre und lag damit unter dem prognostizierten Bausoll. Während dieser  Zeit wurden rund 1.150 Baustellenausweise ausgegeben. Facharbeiter aus über 40 Unternehmen waren vor Ort, viele davon kamen aus Baden-Württemberg. Alle wesentlichen Arbeiten wurden termingerecht fertiggestellt. Im Frühjahr dieses Jahres werden noch kleinere Restarbeiten an der Außenfassade sowie Pflanzarbeiten rund um die Paul Horn Halle erledigt.

Wer jetzt Lust bekommen hat, den neuen Teil der Messe Stuttgart selbst zu besichtigen, kann dies schon ab Samstag, 13. Januar 2018, tun. „Kommendes Wochenende eröffnen wir die Paul Horn Halle mit der CMT 2018, der weltweit größten Publikumsmesse für Tourismus und Freizeit. Deren Tochtermesse ‚Fahrrad und Erlebnisreisen mit Wandern‘ weiht die neue Halle ein“, freut sich Ronald Bleinroth, Geschäftsführer der Messe Stuttgart. „Die Messe Stuttgart hat ihre Hallenfläche mit diesem Neubau von bisher 105.200 auf 120.000 Quadratmeter erweitert. Wir rechnen daher für das laufende Jahr 2018 mit einem neuen Umsatzrekord von mehr als 170 Millionen Euro“, ergänzt sein Kollege Kromer.

Bildunterschrift: Die neue Paul Horn Halle der Messe Stuttgart wurde offiziell eröffnet von Ulrich Kromer, Sprecher der Geschäftsführung LMS, Geschäftsführer LMS und Geschäftsführer ProNM; Roland Bleinroth, Geschäftsführer LMS; Michael Föll, Aufsichtsratsvorsitzender LMS und Erster Bürgermeister der Landeshauptstadt Stuttgart; Dr. Nicola Hoffmeister-Kraut, stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende LMS sowie Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg;  Thomas Glawa, Bereichsleiter Veranstaltungsbetrieb, Bau- & Facility Management und Prokurist der ProNM; Dr. Nicola Schelling, Regionaldirektorin, Verband Region Stuttgart; Kai Bierich, geschäftsführender Gesellschafter wulf architekten-gmbh; Prof. Tobias Wulf, geschäftsführender Gesellschafter wulf architekten-gmbh; Walter Schoefer, Sprecher der Geschäftsführung Flughafen Stuttgart GmbH, Geschäftsführer Flughafen Stuttgart GmbH und Geschäftsführer ProMN; Lothar Horn, Geschäftsführer Hartmetall-Werkzeugfabrik Paul Horn GmbH; Roland Klenk, Oberbürgermeister Stadt Leinfelden-Echterdingen; Michael Kleiner, Aufsichtsratsvorsitzender der ProNM, Ministerialdirektor für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg (v.l.n.r., Bildnachweis: Messe Stuttgart)